Gwild

Das Gwild & Umgehungsgewässer

Der Neubau des Wasserkraftwerks Rheinfelden (2010) bedeutete einen massiven Einschnitt in die einzigartige Muschelkalkformation des «Gwild». Als Kompensation entstand mit dem Umgehungsgewässer ein europaweit einzigartiger künstlicher Nebenfluss, der heute als lebenswichtiger Fischpass und dynamischer Lebensraum für zahlreiche seltene Arten dient.

Geschichte
Mit dem Auslaufen der Konzession für das alte Kraftwerk wurde ab 2003 ein ressourcenschonender Neubau realisiert. Da hierfür wertvolle Felsbänke des «Gwild» – ein Rastplatz von 42 Vogelarten – teilweise abgebaut werden mussten, erstritten Umweltverbände (darunter der NVVR) in einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung 65 Ausgleichsmassnahmen. Das Kernstück, das rund 900 Meter lange Umgehungsgewässer im Bereich des alten Zuleitungskanals, wurde nach zweijähriger Bauzeit im März 2012 geflutet.

Lebensräume und Arten
Das Areal umfasst heute eine beeindruckende Vielfalt an neu geschaffenen Biotopen:
Umgehungsgewässer: Es dient als Fischaufstiegs- und Laichgewässer für Äschen, Barben und Lachse. Die Wassermenge wird saisonal gesteuert, um Verschlammung zu verhindern und Jungfische zu schützen.
Ufer & Inseln: Vegetationslose Kiesinseln bieten dem Flussregenpfeifer Brutplätze, während Sandablagerungen Lebensraum für die seltene Libellenfamilie der Flussjungfern schaffen.
Flora & Kleinstrukturen: Magerwiesen, Raubäume für Fische und gezielte Pflanzungen standortgerechter Arten wie Speierling, Eichen und verschiedene Weiden fördern die Biodiversität. Im Südwesten entwickelt sich am «Delta» ein neuer Auenwald.
Fauna: Die Massnahmen unterstützen gezielt den Biber, den Eisvogel sowie verschiedene Fledermausarten durch die Schaffung von Buchten und Steilufern.

Zukunft
Das Umgehungsgewässer wird durch ein ausgeklügeltes Management (Spülungen im März und Oktober) dynamisch gehalten, um die Funktion als natürlicher Nebenarm langfristig zu sichern. Eine Ökologische Begleitkommission überwacht die Entwicklung der insgesamt 12 Millionen Euro teuren Ersatzmassnahmen. Ziel ist es, die Verluste im «Gwild» durch diese hochgradig strukturierten Ersatzlebensräume dauerhaft zu kompensieren und die Fischwanderung im Rheinabschnitt nachhaltig zu gewährleisten.