Chilli

Naturschutzgebiet Chilli

Wo einst Kies für den Autobahnbau gewonnen wurde, erstreckt sich heute ein wertvolles Mosaik aus Trockenstandorten und Laichgewässern. Das Naturschutzgebiet «Chilli» ist ein Paradebeispiel dafür, wie stillgelegte Abbaugebiete als Ersatzlebensräume für bedrohte Pionierarten dienen und die Artenvielfalt in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft sichern können.

Geschichte 
Die Kiesgrube entstand in den 1970er Jahren während des Baus der A3. Ursprünglich sollte das Areal bis 1995 komplett aufgefüllt und wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Engagierte Naturschützer des NVVR erkannten jedoch früh das ökologische Potenzial und erwirkten 1988 einen städtischen Auffüllstopp. Trotz anfänglicher Widerstände und Beschwerden der Grundeigentümer genehmigte die Gemeindeversammlung 1989 das Projekt. Zwischen 1990 und 1991 wurde das Biotop schliesslich nach Plänen von Martin Erdmann und Karl Weber gestaltet.

Lebensräume und Arten
Das ca. 1,5 Hektar grosse Gebiet zeichnet sich durch seine Vielfalt an spezialisierten Arten aus:
Flora & Insekten: Die mageren Ruderalflächen bieten seltenen Pflanzen wie der Sigmarswurz oder dem Kleinen Liebesgras (Kleinling) Raum. Dies macht die «Chilli» zu einem der insektenreichsten Orte Rheinfeldens (Libellen, Wildbienen, Schmetterlinge).
Amphibien: Mehrere regenwassergespeiste Tümpel und ablassbare Weiher fördern Arten wie die Gelbbauchunke und den Bergmolch.
Vögel & Säuger: Das Gebiet ist ein regelmässiges Brutrevier für den Neuntöter (Rote Liste) sowie die Goldammer. Auch der Feldhase ist hier regelmässig anzutreffen.
Vernetzung: Ein spezieller Kleintierdurchlass unter der Kantonsstrasse ermöglicht es Tieren bis zur Grösse von Füchsen und Dachsen, das Gebiet sicher zu verlassen oder zu erreichen.

Zukunft
Die langfristige Sicherung ist durch einen Dienstbarkeitsvertrag mit den Schweizer Salinen gewährleistet. Um das Zuwachsen der offenen Pionierflächen zu verhindern, setzt der NVR auf ein modernes Pflegekonzept: Neben der manuellen Weiherpflege und Neophytenbekämpfung wird die Grube zweimal jährlich von Schafen und Ziegen beweidet. Diese natürliche Pflege sorgt dafür, dass die «Chilli» auch künftig ein dynamischer Lebensraum für Licht und Wärme liebende Arten bleibt.