Bachaue

Naturschutzgebiet Ängi/Bachaue Magdenerbach

Die ehemalige Ängi am Magdenerbach ist heute Teil der Bachaue Magdenerbach, einem der spannendsten Renaturierungsprojekte in der Region Rheinfelden-Magden. Aus einem kleineren Naturschutzgebiet mit Amphibienweihern entstand 2023 eine naturnahe, stark vergrösserte Auenlandschaft mit hoher Bedeutung für Tiere, Pflanzen und die ökologische Vernetzung. Das Gebiet verbindet Gewässerschutz, Artenförderung und moderne Renaturierung auf vorbildliche Weise.

Geschichte
Die Vorgeschichte des Gebiets reicht weit zurück: Das Land entlang des Magdenerbachs gehörte einst grossflächig den Brauereien Salmen und Feldschloesschen, die ihre Quellgebiete sichern wollten. Das Gebiet Ängi wurde im Lauf der Zeit unterschiedlich genutzt - unter anderem als Eisdepot, Wasserzufuhr für das Industriequartier Stampfi, als Tanksperre im Zweiten Weltkrieg und später im Umfeld des Autobahnbaus. Die eigentliche Geschichte des Naturschutzgebiets begann 1977, als auf einer brachliegenden Parzelle die Idee entstand, dort ein Schutzgebiet mit Weihern, Tümpeln, Wiesen, Hecken und Kleinstrukturen anzulegen. Nach langer Planung und Vorbereitung wurden 1988 bis 1989 die Weiher gebaut und das Gebiet ökologisch gestaltet. 1990 regelte ein Pachtvertrag die langfristige Pflege. Nach Hochwasserschäden im Jahr 1999 und zunehmender Verlandung wurde das Gebiet überarbeitet und saniert. Ein weiterer Meilenstein folgte 2023: In Zusammenarbeit von Kanton, Gemeinden, Brauerei und Naturschutzvereinen wurde das bisherige Naturschutzgebiet zur Bachaue Magdenerbach umgebaut und deutlich erweitert.

Lebensräume und Arten
Die heutige Bachaue umfasst naturnahe Bachabschnitte, Weiher, Nebenarme, Kies- und Flachwasserbereiche, Ufergehölze, offene Flächen und strukturreiche Übergänge zwischen Wasser und Land. Durch die Renaturierung entstanden viele neue Kleinlebensräume für aquatische und terrestrische Arten.

Das Gebiet ist Lebensraum oder Fördergebiet für zahlreiche Tierarten, darunter:
Fische: Groppe, Bachforelle, Lachs
Amphibien: Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte, Feuersalamander, Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch, Fadenmolch
Reptilien: Barrenringelnatter, Blindschleiche, Zauneidechse
Vögel: Eisvogel, Wasseramsel, Grau-, Grün- und Kleinspecht, Gebirgs- und Bachstelze
Wirbellose: Libellen, Schmetterlinge, Schnecken, Spinnen und der stark gefährdete Dohlenkrebs
Säugetiere: Biber, Iltis, Fledermäuse und Bilche wie Haselmaus oder Gartenschläfer

Besonders wertvoll sind auch die neu geschaffenen Gewässerstrukturen, Totholzelemente, Kiesbänke und Grundwasserzuflüsse. Sie verbessern die Lebensbedingungen für Fische, Kleinlebewesen und typische Auenarten deutlich. Erste Erfolge zeigten sich rasch: Schon kurz nach Abschluss der Arbeiten wurde die Gelbbauchunke wieder im Gebiet gehört.

Zukunft
Die Bachaue Magdenerbach soll sich in den kommenden Jahren zu einem noch artenreicheren und dynamischeren Naturraum entwickeln. Ziel ist es, die natürliche Entwicklung des Bachraums zu fördern. Langfristig besteht auch die Hoffnung, dass der Lachs eines Tages wieder in den Magdenerbach zurückkehren kann. Die Voraussetzungen im Bach wurden durch die Revitalisierung stark verbessert. Ob dies gelingt, hängt jedoch auch von der Fischgängigkeit des Rheins und den noch fehlenden Aufstiegshilfen an franzoesischen Kraftwerken ab. Unabhängig davon ist das Projekt schon heute ein grosser Gewinn für die Biodiversität. Entscheidend für die Zukunft bleiben eine sorgfältige Pflege, die Bekämpfung invasiver Neophyten und die enge Zusammenarbeit von Kanton, Gemeinden, Landnutzung und Naturschutzorganisationen.